Tianwa Yang

„Überwältigend“, „atemberaubend“, „neue Referenz”, „wie eine Droge“:

26.08.2014 , Tianwa Yang

Tianwa Yangs Ysaÿe-Einspielung erhält höchstes Kritiker-Lob in der internationalen Fachpresse

Norbert Hornig führt in Fono Forum, (August 2014, „Empfehlung des Monats“), aus: „Tianwa Yang hat sich in den vergangenen Jahren als eine leidenschaftliche Fürsprecherin von Ysaÿes Solosonaten profiliert, sie präsentiert den gesamten Zyklus mit Vorliebe auch in einem einzigen Konzert. Auf dem Podium gründlich erprobt, spielte sie den Werkkomplex im Februar 2012 in Berlin für Naxos ein. Das künstlerische Ergebnis ist überwältigend. Tianwa Yang versenkt sich in die Tiefen dieser Musik wie ein buddhistischer Mönch, geht in ihr auf mit Haut und Haar...da tun sich neue Welten auf. In den hoch konzentriert ausgespielten langsamen Sätzen trägt ihre Darstellung meditative Züge, „Malinconia“ aus der zweiten Sonate wird zu betörendem Sphärengesang. Im vierten Satz „Les Furies“ bricht feurig das Temperament der Interpretin hervor. Und wenn es dann im ersten Satz der fünften Sonate „L´aurore“ Tag wird, erreicht die Musik unter ihren Händen eine geradezu spirituelle Dimension. Atemberaubend, mit welcher Fantasie diese begnadete Musikerin aus Klanggestalten Bilder entstehen lässt, ein Naturereignis nachschöpft und die damit assoziierten Emotionen wach ruft. Man fragt sich wirklich woher diese Expressivität, dieses innere Glühen kommt. Hier spielt eine gerade einmal 24-jährige Geigerin so als ob sie schon die Erfahrung eines ganzen Lebens gemacht hätte. Selten hat man auch die polyfone Dimension dieses Ysaÿe-Sonatenzyklus´ so transparent wahrgenommen wie in dieser Einspielung. Die „Sarasate-Königin“ ist Tianwa Yang ja bereits, jetzt hat sie sich auch noch die Krone für Ysaÿe geholt. Höchstes Lob zudem für den Tontechniker Eckhard Glauche, er postierte die Violine optimal in den sehr natürlich klingenden Raum der Berliner Siemensvilla. Sein Anteil an der suggestiven Wirkung dieser Interpretation ist erheblich. Alles klingt wunderbar klar, gerundet und nie aggressiv, man kann die gesamte CD hören ohne auch nur einen Augenblick zu ermüden. Die neue Ysaÿe-Referenzaufnahme, sie wirkt fast wie eine Droge und fasziniert von A bis Z!“

Manuel Brug schreibt in TonArt (Juni 2014): „Wo der spanische Geiger Pablo de Sarasate (1844-1908) als Komponist für sich selbst neue technische Herausforderungen suchte, da geht der Belgier Eugène Ysaÿe (1851-1931), dem großen Vorbild Bach folgend, aber auch ihm ausweichend, in seinen sechs Solosonaten viel puristischer und essenzieller vor. Bei ihm geht es um allerhöchste Kunstfertigkeit, aber auch um eine keusche Mathematik der Noten, die freilich mit interpretatorischen Leben erfüllt sein will.

Genau dieses gelang der in Deutschland wesentlich geprägten Tianwa Yang bereits bei dem ausufernden und einzigartigen Sarasate-Projekt auf exemplarische Weise. Wo etwa eine Julia Fischer, die ebenfalls gerade eine Sarasate-Best-of-CD vorgelegt hat, auf kühl kalkulierte Weise ein Brillantfeuerwerk abbrennt, da begeistert die scheinbar so technokratische Chinesin mit einer feinen Mischung aus Charme und Eleganz, Parlando-Geläufigkeit und individueller Sensibilität. Plötzlich lebt diese angeblich oberflächliche Musik, kommuniziert mit uns, gefällt durch ihre Farben, ihren Witz, ihre unerschrocken gefallsüchtige, aber trotzdem nicht glatte Attitüde.

Das sind alles Tugenden, die Tianwa Yang auch in ihr aktuelles Album rettet. Und diese zudem mit einer forschen Fragilität, die freilich furchtlos ist, verbindet. All das passiert zu Ysaÿes Bestem, dem alles Akademische ausgetrieben ist, der blüht und wärmt, trotz seiner klassizistischen Kühle. Und Yang erklimmt so eine weitere Stufe auf einer inzwischen ziemlich steil verlaufenden Karriereleiter.“

Remy Franck merkt am 24. Juni 2014 in pizzicato an: „Die Sonaten des belgischen Violinvirtuosen Eugène Ysaÿe, die alle einem großen Geiger gewidmet sind (Szigeti, Thibaud, Enescu, Kreisler, Crickboom, Quiroga), hat man in vielen verschiedenen Interpretationen gehört, atemberaubend akrobatisch, mit gestischem Kontrastspiel oder auch bloss als Formübungen. Die eminent violinistischen Werke müssen jeden guten Geiger herausfordern, aber nur wenige nutzen auch wirklich alle Möglichkeiten der Gestaltung aus, die Ysaÿes Kompositionen anbieten. Meistens steht dabei das Technische im Vordergrund, aber ohne Musikalität.

Tianwa Yang, eine immer noch nicht genügend beachtete Geigerin – meines Erachtens eine der interessantesten unserer Zeit – lässt uns alles Technische vergessen, so sehr konzentriert sie sich aufs Expressive. Sie lässt uns die Musik richtig erleben, mit einem sehr ausgeprägten und sehr persönlichen musikalischen Gestaltungswillen. Dabei verliert sie nie die Kontrolle ihrer Gefühle, und ihren Interpretationen mangelt es nicht an Intelligenz. Magie der Farben, Magie der Nuancen, eine stupende Intonationsreinheit und eine ständig vorhandene spannende Rhetorik, das sind die Charakteristiken dieser herausragenden CD, auf der uns die Solistin mit viel Charisma Ysaÿes Sonaten ‘erzählt’ und dabei gewiss nicht darauf aus ist, durch Technik zu glänzen.“

Edward Bhesania kommentiert in The Strad (August 2014): “There’s always the danger that violinists will get caught out by the mould-breaking technical invention of Ysaÿe’s visionary six solo sonatas. Or that, having surmounted their almost insuperable challenges, the performer exploits them as a vehicle for technical display. Though not yet 30, Tianwa Yang manages to avoid either of these camps.

These are not especially edgy performances – others may capture a wilder, headier spirit, and even embrace a wider range of touch. But what makes this release so distinctive is Yang’s unfailing purpose: every note counts, even within the densest thickets of finger-contorting contrapuntal lines, with the result that one can’t help but devour the disc in a single sitting. The first movements of no.2, ‘Obsessions’, and no.5, ‘The Dawn’, are testament to Yang’s unfailingly balanced voices. The fullness of her sound is brilliantly captured, spotlighting smooth and classy playing that has no interest in parading the works as a compendium of technical challenges.

Yang embraces the grandeur and muscularity of Sonata no.1’s first-movement Grave and deftly voices the string-crossing in the latter part of Sonata no. 3’s Sarabande. Indeed, throughout, these are clearly thought-through performances of eyebrow-raising substance.”

Im BBC Music Magazine (August 2014) gibt Julian Haylock die Höchstbewertung (5 Sterne): „Fresh from her recorded triumphs in Sarasate and Mendelssohn, Tianwa Yang negotiates the musical and technical chicanery of Ysaÿe’s six solo Sonatas with great aplomb. Even beating in mind outstanding accounts by Philippe Graffin (Hyperion), Kristóf Baráti (Brillant), Samika Honda (Polymnie) and Henning Kraggerud (Simax). Yang’s rare ability to sustain a convincing emotional narrative in these elusive scores proves highly compelling. Completely unfazed by Ysaÿe’s nearconstant Bachian cross referencing and mild harmonic astringencies, she moulds even the most challenging of phrases with a dedicated sensitivity and affectionate warmth.

Yang revels in the sweeping lyricism of the one-movement Third Sonata. While ensuring that the ominous Dies irae motif insinuates its way into the musical subconscious. She also conjures up a delightful image of a 17th-century mistress playing her spiner in the gentle pizzicatos that open the Fourth Sonata’s Sarabande, and in the finale ensures that Ysaÿe’s subtle wink in the direction of dedicatee Kreisler is keenly felt. Yang sets the pulse racing with the virtuosic feats in the final Sonata, retaining a remarkable fullness of tone.”

Im niederländischen Volkskrant erteilt Frits van der Waa am 6. August 2014 ebenfalls Höchstpunktzahlen (5 Sterne): „Bach is alomtegenwoordig, in de tweede sonate zelfs in de vorm van een schitterende valse start. Dit werk is verder doordesemd van het Dies Irae-motief, dat een bron is voor tot op de bodem gravende variaties. Maar in de vijfde sonate laat Ysaÿe horen dat ook het werk van Debussy niet aan hem is voorbijgegaan.

Dat alles krijgt onder handen van de 27-jarige Chinese violiste Tianwa Yang een zeggingskracht en een perfectie die je bij de eerste noten al aan de luidsprekers kluistert. Yang, die in Duitsland woont, heeft voorzover ik weet nog niet in Nederland opgetreden. Dat wordt dus tijd.“