Alban Gerhardt

"Ein Celloton von sagenhafter Präsenz": Alban Gerhardt gastierte bei der Württembergischen Philharmonie

Am 17. September 2007 spielte er in der "Friedrich-List-Halle" in Reutlingen Tschaikowskys "Rokoko-Variationen". Am Pult: Thomas Kalb, der für den kurzfristig verhinderten Norichika Iimori eingesprungen war.

Armin Knauer schrieb dazu am 19. September 2007 im "Reutlinger Generalanzeiger" unter der Überschrift "Ein Auftakt mit Herz und Leidenschaft": "Und dann kommt Alban Gerhardt. Ein Celloton von sagenhafter Präsenz erfüllt den Raum. Und während Gerhardt mit diesem Ton ganz locker das Hauptthema von Tschaikowskys Rokoko-Variationen abschreitet, macht er aus dieser scheinbar so schlichten Phrase ein ganz persönliches Bekenntnis. Dieses Bekenntnis wird in den Variationen noch mehrmals erklingen und immer noch an Intensität zunehmen. Und all der Dramatik und Virtuosität, die Tschaikowsky dazwischen aufspannt, wird er diesen Eindruck des ganz Persönlichen bewahren. Man könnte lange schwärmen von der Flüssigkeit und Brillanz, mit der Gerhardt die enormen technischen Schwierigkeiten gemeistert hat - etwa die Läufe in der rasanten vierten Variation, bei denen die Linke zum Wirbeln des Bogens geschmeidig über das Griffbrett gleitet. Aber sein eigentliches Geheimnis ist die Art, wie er alles natürlich im Fluss hält, wie sensibel und variantenreich und weit gespannt er seinen sagenhaft intensiven Ton lenkt: vom leidenschaftlichen Ausbruch im tiefschwarzen Bassregister bis hin zum flüsterleisen Flageolett, etwa am Ende der Kadenz."

Und Rafael Rennick schrieb am 19. September 2007 in der "Südwestpresse": "Das war ein russisch-rasanter Saisonauftakt der Württembergischen Philharmonie - mit einem glanzvollen Solisten Alban Gerhardt. Einmal mehr Elogen singen müsste man auf Alban Gerhardt nach dessen erneut glanzvollem Auftritt in der Listhalle. Die Cellokunst des jungen Musikers, der am Wochenende noch in Amerika gastierte, ist von solch staunen machender Reife, Innigkeit und Musikalität, dass man über den Wundern an Klang-Welten, die sein Spiel gebiert, die tollkühnen Schwierigkeiten ihrer Entstehung gänzlich vergisst. In Tschaikowskys Rokoko-Variationen vermag Alban Gerhardt superbes Leuchten, Silberglanz und Glasperlenfunkeln ebenso freizulegen wie Blicke in unergründliche, geheimnisumwitterte Tiefen, die Erschrecken machen: Wie Orpheus weiß Gerhardt auf den Saiten des Lebens den Tod. Die Philharmoniker unter Thomas Kalb, nur anfangs von einer plötzlichen, genialischen, ins Pianissimo zurückgenommenen Wendung des Solisten überrascht, gaben sich in Anbetracht dieser Offenbarungen als vorzügliche Begleiter. Und Gastdirigent Kalb animierte dabei das Orchester mit auffallender Eleganz zu anmutig-inspiriertem, ganz und gar entspanntem Musizieren, in dessen luzide farbenreicher Atmosphäre Alban Gerhardts Kunst erst aufatmen, gedeihen konnte."

 
 


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