James Judd

"...melodischer Fluss": James Judd gastierte in Mainz

Am 25. und 26. Januar 2008 gastierte James Judd wieder in Deutschland, diesmal beim Philharmonischen Staatsorchester Mainz.  Im Staatstheater führte er Brittens "Simple Symphony", Bowens Konzert für Viola und Orchester in c-Moll, op. 25  (mit Lawrence Power) sowie Mendelssohn Bartholdys 3. Sinfonie in a-Moll, op. 56 ("Schottische") auf.

In der "Allgemeinen Zeitung Mainz" schrieb Siegfried Kienzle am 28. Januar  2008 darüber: "James Judd, Gastdirigent aus Neuseeland beim Philharmonischen Staatsorchester Mainz, hat sich bisher mit seinen CD-Einspielungen für unbekannte Komponisten wie William Alwyn, Peter Sculthorpe und Douglas Lilbourn eingesetzt. Rar sind Konzerte für Solobratsche und Orchester in der Gegenwartsmusik - nur Bartoks unvollendet gebliebenes Konzert und Hindemith mit seinem "Schwanendreher" konnten sich im Konzertsaal etablieren. Dass Bowens Violakonzert aus dem Jahr 1907 erst mit über hundertjähriger Verspätung zu seiner deutschen Erstaufführung in Mainz kam, das zeigt, dass da noch einiges nachzuholen ist. Bowens Werk überraschte mit suggestiv klingender Spätromantik. Wenn die Solobratsche mit dem dunklen Ton des Horns und mit der Harfe immer wieder dialogisiert, entwickelten sich aparte Klangreize. Der junge britische Bratschist Lawrence Power beeindruckte mit subtiler Tongebung, zupackender Attacke und im Mittelsatz des "Andante cantabile" mit schwelgerischen Kantilenen und einer bravourös gesteigerten Kadenz. York Bowen, der lange Jahre als Klavierprofessor in seiner Heimatstadt London wirkte und vorwiegend für sein eigenes Instrument komponiert hat, wurde mit dieser Erstaufführung glänzend rehabilitiert und der Vergessenheit entrissen. In seiner "Simple Symphony" op. 4 nutzt Benjamin Britten das Streichorchester, um sich spielerisch mit den Formen der barocken Suite wie Sarabande und Bourrée auseinander zu setzen. Es ist ein erstaunlich perfektes Jugendwerk. Bereits als Zwölfjähriger hat Britten einige dieser Themen skizziert. Judd, der ohne Taktstock mit weit ausschwingenden Armen die Staatsphilharmonie leitete, gab den kontrapunktischen Finessen in den Ecksätzen Leichtigkeit und Eleganz, ließ im zweiten Satz die Pizzicati prasseln und sprühen und wählte für die Sarabande den gebührend pathetischen Tonfall. Brittens Anliegen, kreativ die musikalische Tradition weiterzuführen, wird zum Erfolgsrezept all seiner späteren Werke. Die Reise, die den zwanzigjährigen Felix Mendelssohn 1829 nach Schottland führt, hatte musikalische Folgen. Die herben Landschaftseindrücke färbten seine "Hebriden-Ouvertüre" und gaben auch seiner dritten Sinfonie in a-Moll den Beinamen "Schottische". Subtil im Wechsel der Klangfarben und der Tempi hielt Judd die vier Sätze in melodischen Fluss. Vehement gelang das jagende Streicher-Tremolo in der Sturmmusik des Kopfsatzes, das Richard Wagner für seinen "Holländer" gern übernimmt. Bewegend zart intonierten die Violinen das "Adagio", der Bläserchoral erhielt Wucht und Größe. Viel Beifall für das ungewöhnliche Programm."   


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