Alban Gerhardt mit Lisa Batiashvili und Hans Graf am 20.6.08 in München

"leidenschaftlich": Alban Gerhardt gastierte erneut in München

Am 19. und 20. Juni 2008 gastierte Alban Gerhardt wieder in München. Diesmal spielte er mit Lisa Batiashvili und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Johannes Brahms' Doppelkonzert. Partner am Pult in der "Philharmonie am Gasteig": Hans Graf.

Harald Eggebrecht schrieb am 21. Juni 2008 in der "Süddeutschen Zeitung": "Das Konzert für Violine und Violoncello mit Orchester op. 102 von Brahms
hatte anfangs gerade bei Brahmsfreunden wie Clara Schumann, Theodor Billroth oder Eduard Hanslick einen matten bis schlechten Leumund. Der offenbar mäßige Eindruck auf die Zeitgenossen gründete einmal wohl darin, dass die barocke Tradition des Concerto grosso lange schon vom typischen Solokonzert abgelöst worden war und daher als veraltet galt. Außerdem dürfte der Cellist Robert Hausmann seine instrumentalen Mühen gehabt haben. Das Cellospiel nämlich vor Pablo Casals, der eine bis heute wirksame epochale Revolution der Cellotechnik und der musikalischen Ausdruckskunst auslöste, hatte nicht das Niveau, auf dem sich Geiger spätestens seit Paganini bewegten. Längst jedoch haben gerade junge Virtuosen unserer Zeit das so oft als grau und introvertiert geschmähte Konzert fulminant in seiner ganzen Einzigartigkeit erstrahlen lassen. So geschah es auch in der Philharmonie, als Lisa Batiashvili und Alban Gerhardt nicht nur die Brahms'sche Idee der achtseitigen Riesengeige souverän verwirklichten, sondern sich auch für die dialogische Vielfalt von Rede und Gegenrede leidenschaftlich engagierten. Dabei zielten ihre Tonvorstellungen nicht auf angleichende Homogenität. Gerhardt, anfeuernd, wachsam, geisesgegenwärtig, verfügt über einen immer nervigen, federnden, dabei expressiv-elegischen Ton, während Batiashvilis Violinklang bei allem Temperament zuerst von lyrischer Süße und natürlicher Kraft erfüllt ist. Jedenfalls erleuchteten sie Brahms' Doppelkonzert mit symphonischem Geist und virtuoser Energie so sehr, dass Dirigent Hans Graf und das BR-Symphonieorchester in diesem Bunde gern aufmerksame Dritte sein wollten und konnten."

Volker Boser merkte am gleichen Tag in der "Abendzeitung" an: "Die beiden Solisten, Dirigent Hans Graf
und das Orchester verzichteten auf sentimentale Umwege und präsentierten das Stück als konzertante Symphonie. Pultstars der Vergangenheit haben das mit Erfolg vorgemacht. Das Rezept wirkt noch."

Tobias Hell kommentierte am 23. Juni 2008 im "Münchner Merkur": "Als Johannes Brahms begann, an seineme Doppelkonzert für Violine und Cello zu arbeiten, war diese Gattung fast schon ein wenig aus der Mode gekommen. Dass er es dennoch komponierte und die altbekannte Form mit neuem Leben füllte, kann man heute als Glücksfall bezeichnen. Vor allem dann, wenn man wie in der Münchner Philharmonie zwei hochmotivierte Interpreten wie Lisa Batiashvili und Alban Gerhardt zur Verfügung hat. Denn auch wenn sie vom Temperament her unterschiedlich veranlagt sind, bildeten sie bei diesem Werk doch ein überaus homogenes Duo, das sich vollkommen uneitel die Bälle zuspielte und sich gegenseitig zu Höchstleistungen animieren konnte."

Heiko Jung schließlich schrieb am 23. Juni 2008 in der "tz": "Leichtfüßig und ohne Pathos näherte sich Hans Graf in der Philharmonie mit
dem BR-Symphonikern den großen Klassikern. Ganz andere Pläne hatten die Geigerin Lisa Batiashvili - hochschwanger - und Ihr Cello-Partner Alban Gerhardt bei Brahms' Doppelkonzert. Denkbar nah am Leben, körperlich und leidenschaftlich war ihr Spiel, von Graf und dem Orchester zu großen Teilen gefällig beobachtet."




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