Markus Groh

"Finesse und Brillanz": Markus Groh gastierte in Mainz

Markus Groh widmete seine letzte CD den späten Klavierwerken von Johannes Brahms. Dazu gehören die "Intermezzi", op. 117, mit denen er seinen Klavierabend am 19. September 2008 in Mainz eröffnete. Im Rahmen der Reihe "Internationale Pianisten in Mainz", zu der der SWR in den "Frankfurter Hof" lädt, folgten Werke von Beethoven, Schulhoff und Liszt.

Siegried Kienzle schrieb dazu am 22. September 2008 in der "Allgemeinen Zeitung Mainz": "Der 1970 in Waiblingen geborene Pianist Markus Groh ist in Mainz kein Unbekannter. Mit Klavierkonzerten von Mozart und Schumann war er bereits vor Jahren in der Rheingoldhalle erfolgreich. Zum Auftakt der SWR-Reihe ‚Internationale Pianisten‘ im Frankfurter Hof stellte er Johannes Brahms und Franz Liszt als die großen Klavier-Antipoden des 19. Jahrhunderts gegeneinander. Der Zyklus ‚Années de Pèlerinage – Italie‘ von Liszt ist selten in allen seinen sieben Teilen zu hören. Da Groh das Gesamtwerk gestaltete, konnte man miterleben, wie durchdacht der Komponist seine Eindrücke, die italienische Kunstwerke bei ihm auslösten, in Musik setzte. Groh mischte in ‚Sposalizio‘ zu Raffaels Marienbild feierlichen Glockenton mit Harfenklang, gab dem ‚Penseroso‘ von Michelangelo mit Akkordschlägen die Wucht der Skulptur, näherte sich dem Barockmaler Salvator Rosa in einem pointierten Marsch. Unter den drei Petrarca-Sonetten, die Liszt ursprünglich als Lieder für Tenor konzipiert hatte, beeindruckte das Sonett 123: Liszt schwärmt hier von seiner Liebe zur Gräfin d´Agoult, und Groh verwandelte das intime Bekenntnis in sensible Klangpoesie. Alle Finessen der virtuosen Brillanz und Technik konnte der Pianist in der Beschreibung des Infernos demonstrieren, die Liszt in seiner Fantasie ‚Nach einer Lektüre Dantes‘ abfordert. Mit stählernen Akkordschlägen malte Groh den Gang durch die Unterwelt und setzte die Dolcissimo-Aufhellung der Liebesromanze der unglücklichen Francesca davon ab. Zart kolorierte er die drei Intermezzi op.117, die Johannes Brahms die ‚Wiegenlieder seiner Schmerzen‘ nannte. Dass Groh als Hobby gern Klassikertitel in Jazz- und Rag-Bearbeitungen überführt, wurde deutlich in den ‚Fünf Jazz-Etüden‘ von Erwin Schulhoff aus dem Jahr 1926. Von Charleston, Blues, Tango bis zu einer bravourös fetzigen Schluss-Toccata konnte man hören, wie erfrischend unangepasst Schulhoff seinen Weg als Komponist zwischen Schönberg und Strawinsky suchte. Beethovens G-Dur-Sonate op.31/1 wird oft graziös und verspielt interpretiert. Groh suchte eher die spröden und kantig aggressiven Facetten in diesem Werk."

SWR2 sendet den Mitschnitt des Konzerts am 25. November 2008 im Rahmen seiner Sendereihe "Mittagskonzert" ab 13.05 Uhr!


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