Arabella Steinbacher am 10.10.08 in Bruchsal

"Mit Anmut und Leidenschaft": Arabella Steinbacher gastierte in Bruchsal

Im Bruchsaler Schloss war am 10. Oktober Robert Kulek Partner am Klavier. Zu Gehör gebracht wurden Bachs "Chaconne", Schnittkes Sonate für Violine und Klavier Nr. 1, Dvoráks "4 Romantische Stücke" und Strauss' Sonate für Violine und Klavier in Es-Dur, op. 18. Der SWR zeichnete das Konzert auf.

Claus-Dieter Hanauer schrieb am 13. Oktober 2008 in den "Badischen Neuesten Nachrichten": "Man weiß nicht, was man bei der Geigerin Arabella Steinbacher zuerst loben soll, den betörenden Klang ihrer Stradivari etwa, oder ihre genauso edle wie elegante Phrasierungskunst, ihren präzisen Sinn für Tempi, ihre stupende technische Versiertheit, ihr unforciertes Zupacken? Am Ende wird das alles doch überstrahlt von einer Ernsthaftigkeit des Musizierens, die sich in Stilsicherheit genauso ausdrückt wie im Verzicht auf ein in der klassischen Branche üblich werdendes „modelhaftes" Marketing und die auf einen Weg zu großem Musikertum weist. Gerade der unbedingte Ernst verlieh der Chaconne Johann Sebastian Bachs aus dessen d-moll-Violinpartita BWV 1004 einen unwiderstehlichen Zug. Dadurch ließ die Musikerin die Komposition so konzentriert, in so weitgemessenen Spannungsbögen und doch mit solch selbstverständlichem Gelingen an den Zuhörern im Kammermusiksaal des Bruchsaler Schlosses vorbeiziehen, dass man der gigantischen Struktur und den unumgehbaren Schwierigkeiten dieses Meisterwerks kaum gewahr wurde. Bereits mit den 1887 entstandenen „Vier romantischen Stücken" op. 75 von Antonin Dvorák bot die Geigerin, sensibel unterstützt von Robert Kulek, einen von einem dezenten Vibrato unterstützten Farbenreichtum, der die stimmungsvollen Momentaufnahmen des großen böhmischen Komponisten zu einem Hörgenuss machte. Einen schroffen Gegensatz dazu schuf die Violinsonate von Alfred Schnittke. Das 1963 entstandene unkonventionelle Werk verknüpft, noch vor der polystilistischen Collagenarbeit des Komponisten, zwölftönige Reihen mit tonaler Orientierung, deren tänzerische Aspekte (Andante) oder kauzigen Humor (Allegretto scherzando) die Künstler markant herausarbeiteten. Einen Höhepunkt bildete die Violinsonate op. 18 von Richard Strauss. Man hat es bei diesem Werk als Begleiter ohnehin nicht leicht, bei einer Sonate, deren Klavierpart mehr wie ein Klavierauszug eines Violinkonzerts anmutet. Und man hat es gewiss nicht leichter, wenn die Melodielinien der Violine mit solchem Charme und mit solcher Innigkeit erklingen. In Bruchsal gestaltete sich Strauss' Jugendwerk zu einem von der Violine geführten Gang durch das Sonaten-Wunderland des Komponisten. Die Musiker bedankten sich für den reichen Applaus mit dem ausdrucksvoll dargebotenen zweiten Satz aus der Violinsonate von Francis Poulenc."

Den Mitschnitt des Konzerts sendet SWR2 am 10. November 2008 im Rahmen der Sendereihe "Abendkonzerte".


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