Alban Gerhardt

"...Cello traumhaft zum Singen gebracht": Alban Gerhardt gastierte in Gießen

Am 17. Februar 2009 trat Alban Gerhardt im Stadttheater Gießen auf. Beide Konzerte von Camille Saint-Saëns spielte er mit dem Philharmonischen Orchester Gießen unter Leitung von Carlos Spierer.

Thomas Schmitz-Albohn schrieb dazu am 19. Februar 2009 im „Gießener Anzeiger“: „Dass an einem Konzertabend schon nach 20 Minuten die ersten Bravorufe erschallen und Begeisterungsstürme losbrechen, erlebt man nicht alle Tage: Im Sinfoniekonzert am Dienstagabend im bis in die oberen Ränge vollbesetzten Stadttheater galt der überschwängliche Beifall dem Cellisten Alban Gerhardt, der auf der Konzertbühne gerade wahre Wunderdinge vollbracht und sein Instrument auf traumhafte Art zum "Singen" gebracht hatte. Gerhardt, der zu den herausragenden Interpreten unserer Zeit gehört und dessen unverwechselbarer Klang immer wieder gerühmt wird, war Solist in den beiden Cellokonzerten von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), die beide aufgrund ihrer Komplexität enorme spieltechnische Anforderungen stellen. Saint-Saëns, der im romantischen 19. Jahrhundert stilistisch zwischen allen Stühlen saß und in allen musikalischen Disziplinen glanzvolle Kompositionen schuf, misstraute eigentlich dem Virtuosentum und betrachtete den jeweiligen Solisten im Dialog mit dem Orchester eher als Stichwortgeber. Die beiden Cellokonzerte - oder zumindest das, was Alban Gerhardt im Zusammenspiel mit dem Philharmonischen Orchester unter Leitung von Carlos Spierer daraus machte - widerlegen aber seine eigene Theorie: Hier bekam das Publikum zwei Bravourstücke par excellence zu hören, und der Solist führte die gebannt lauschenden Zuhörer mit traumwandlerischer Sicherheit zu den Höhen seiner Kunst. Das inspiriert musizierende Orchester erwies sich dabei als kompetenter, sehr verlässlicher Partner. Wie mühelos und mit welcher Leichtigkeit er die schwierigsten Klippen nimmt, mit welchem Feingefühl und welcher spielerischen Delikatesse er seinen Solopart zelebriert, führte Gerhardt zunächst im 2. Konzert für Violoncello und Orchester d-Moll op. 119 vor, das sich in zwei Sätze gliedert. Vom energischen Eröffnungsthema über die Kadenz bis zur abschließenden Stretta-Coda gab es bei diesem Vortrag reichlich Finger-Akrobatik zu bewundern. Und auch das dreisätzige 1. Konzert a-Moll op. 33, das noch vor der Pause erklang, wurde mit seinem brillanten Figuren- und Passagenwerk, mit den Sprüngen von den tiefsten Lagen zu höchsten Höhen und den rasanten Wechseln in Stimmung und Dynamik zu einer atemberaubenden Darbietung. In Gerhardts Händen bestach das Cello durchweg durch einen makellosen, kristallklaren Ton. Ein beseeltes Spiel! Für den reichen Applaus bedankte sich der sympathische Musiker mit einem kurzen Stück von Rostropowitsch als Zugabe, das noch einmal seine ganze Fingerfertigkeit erforderte.“ 




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