Arabella Steinbacher mit Robert Kulek am 7.5.09 im "Herkulessaal"

"Töne wie aus Perlmutt": Arabella Steinbacher gastierte in München

Am 7. Mai 2009 spielte Arabella Steinbacher im Münchner "Herkulessaal" ein Recital mit ihrem langjährigen Klavierpartner Robert Kulek. Auf dem Programm standen im Rahmen der Hörtnagel-Serie "Meisterinterpreten" Werke von Beethoven, Schnittke und Ravel.

Harald Eggebrecht schrieb dazu am 9. Mai 2009 in der "Süddeutschen Zeitung": "Dass der Ton die Musik mache, ist ein Gemeinplatz. Doch der jeweils charakteristische Ton begründet bei herausragenden Instrumentalisten deren Unverwechselbarkeit. Es gibt inzwischen glücklicherweise überall technisches gutes, aufgewecktes Geigen-, Bratschen- oder Cellospiel, aber was den Ausnahmekünstler heraushebt, ist neben Einfallsreichtum, Klangfarbensinn und aller Virtuosität eben der ureigene Ton.

Arabella Steinbacher, als eine der mirakulösen vier Grazien aus Ana Chumachenkos Violinmeisterklasse hervorgegangen und längst eine höchst eigenständige, originelle Künstlerin, verfügt über einen Ton, dessen nahtlose Oberfläche kühl glänzen kann, als sei sie aus Metall, Glas oder Lack. Um nicht missverstanden zu werden: Steinbacher spielt nicht kalt, gar emotionslos oder spröde, sondern ihre Tonvorstellung hat etwas von der Perfektion des Gläsernen und der Biegsamkeit edlen Metalls. Die stets noble, unaffektiert auf die Werke konzentrierte Geigerin bot im Herkulessaal mit ihrem (...) Klavierpartner Robert Kulek Sonaten von Beethoven, Alfred Schnittke und von Maurice Ravel. Bei Schnittke und Ravel steigerte Arabella Steinbacher ihren Violinglanz zum blendenden Blitzen, polierte sie haarige und dichte Passagen bis zu gläsener Durchsichtigkeit auf. Und bei ihren Flageolett-Tönen muss man an die Reinheit und Intensität etwa von Celesta oder Glockenspielen denken. In Schnittkes 1964 entstandener 1. Violinsonate gibt es eine lange Passage mit leerer G-Saite. Wenn der erste vibrierte Ton dazukommt, ist es, als erglühe das ganze Klanggefüge unter dieser plötzlichen Erhitzung.

Wenn Steinbacher aber Kantilenen entfaltet wie in Beethovens Op. 30, 3 oder in der "Frühlingssonate" oder bei Ravel, dann vermag ihr von genau dosiertem Vibrato bewegter Ton zu schimmern und zu schillern wie Perlmutt. Es wurde ein Abend aus Transparenz und Schönheit, aber auch mit heißer Emotion, ohne dass die Geigerin dabei die auffallende Klarheit der Linienführung störte. Das Konzert hatte sie ihrem kürzlich verstorbenen Vater gewidmet, als Zugabe spielte sie ihm zu Ehren noch die Medation aus Massenets Oper "Thaïs" - makellos und rührend."    


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