"Die Arabische Nacht" - Premiere am 11.9.09 in Halle

"Die Arabische Nacht": Christian Josts Oper hatte Premiere in Halle


Die Arabische Nacht

Oper von Christian Jost
Libretto vom Komponisten
Deutsch von Melanie Dreyer
Nach dem gleichnamigen Schauspiel von Roland Schimmelpfennig

Unter dem Titel Nachtoper präsentiert die OPER HALLE an neuen Spielorten zu fortgeschrittener Stunde ein neu entwickeltes Format. Zeitgemäß, nächtlich und sinnlich soll das »Romantik«-Motto hier die Liebhaber des unkonventionellen (Musik-)Theaters – und die, die es noch werden möchten – zu neuen Abenteuern animieren. Vor dem ab April 2010 gezeigten Liederkreis »Wunderhorn« macht Christian Josts (Jahrgang 1963) »Arabische Nacht«, die nach der Uraufführung in Essen 2008 ab dem 11. September 2009 exklusiv als Zweitaufführung in der Saalestadt zu sehen ist, den Anfang dieses nächtlichen »Duos«. Auf poetische Weise wird die Geschichte von fünf einsamen Menschen in einer schwülen Großstadtnacht in einem Wohnblock erzählt, bei der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. Regie führt erstmals in Halle der gebürtige Kölner Florian Lutz, ein überzeugender Newcomer im experimentellen Musiktheater wie auch im klassischen Opernbereich. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von GMD Karl-Heinz Steffens. Weitere Informationen gibt es unter www.opernhaus-halle.de.

Zur Premiere schrieb Adreas Hilliger am 14. September 2009 in der "Mitteldeutschen Zeitung" unter der Überschrift "Teufelskreis im Treppenhaus": "Der wirkliche Sommer geht in diesen Tagen wohl unwiderruflich zu Ende, auf der halleschen Kulturinsel aber wird sein poetisches Ebenbild nun noch einmal in die Verlängerung geschickt. Denn Christian Josts Oper "Die Arabische Nacht", deren Libretto auf dem gleichnamigen Schauspiel von Roland Schimmelpfennig basiert, schöpft ihre atmosphärische Dichte ja aus dem heißesten Tag des Jahres: Flirrende Hitze verwandelt sich nach dem Sonnenuntergang in drückende Schwüle, die Hormone kochen hoch. Und wenn dann noch Alkohol im Spiel ist ...

Eine Reise in die Nacht

Die junge Frau, die dieses langen Tages Reise in die Nacht willenlos in Gang setzt, heißt Franziska Dehke - und leidet unter seltsamen Erinnerungslücken bei gleichzeitigen Orient-Visionen. Dass sie für den Hausmeister Lomeier wie für den Nachbarn Karpati und den Liebhaber ihrer Freundin Fatima, Kalil, zum Objekt der Begierde wird, soll für alle drei Männer fatale Folgen haben. Der Handwerker wird auf der Suche nach dem irgendwo im Hochhaus versickerten Wasser seiner toten Frau begegnen, der Voyeur wird sich in eine Cognac-Flasche gesperrt fühlen und der Motorrad-Rocker wird von gleich drei nymphomanen Damen zum Sex gelockt - es ist ein Vexierspiel mit Motiven aus 1 001 Nacht, das hier das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Sommerzeit anreichert.
Dass sich die selbstbewusste Ansetzung des bislang nur einmal - im Essener Grillo-Theater - erprobten Werks vor allem Karl-Heinz Steffens verdankt, dem Christian Jost vor zwei Jahren das Klarinettenkonzert "Heart of Darkness" auf den Leib geschrieben hat, hört man der Premiere an: Hoch kompetent führt der Generalmusikdirektor die Musiker der Staatskapelle durch die nervöse Spannung der Partitur, die permanent zwischen Erregung und Erschöpfung pendelt. Die Inszenierung von Florian Lutz nutzt dieses Fundament für eine intelligente und überraschende Lesart: Im Bühnenbild von Sebastian Hannak wirken die Zuschauer-Tribünen wie Dachterrassen, von denen man in das gegenüber liegende Treppenhaus und die Wohnung von Franziska und Fatima blickt. Später wird sich das Gebäude in Einzelteile auflösen und hinter den Fliesen des Badezimmers die Wüste hervorquellen, wird der Fahrstuhl zum Gefängnis und das Treppenhaus zum Teufelskreis werden.
Zunächst aber und vor allem wird ausnahmslos gut gesungen: Dass Sophie Klußmann mit ihrem wunderbaren Sopran eine echte Bereicherung des halleschen Ensembles sein würde, durfte man bereits voraussetzen - ebenso wie die Tatsache, dass Susannah Haberfeldt in der avancierten Klangsprache ein Heimspiel haben würde.

Exzellente Besetzung

Anke Berndt, Mona Deibele und Mária Petrasovska aber stehen diesen Hauptfiguren in nichts nach und lassen die kollektive Urschrei-Therapie zu einem komischen Höhepunkt des Abends werden. Auch auf Seiten der Männer ist man mit den Tenören Benedikt Nawrath und Nicholas Sales sowie mit dem Bariton Radoslas Wielgus überwiegend hoch gestimmt - ein Solisten-Ensemble, das der Oper Halle alle Ehre macht und allein schon das Wagnis rechtfertigt. Dass es der Regie aber gelingt, die Gleichzeitigkeit der - oft deskriptiv mitgesungenen - Handlungen in eine plausible und oft amüsante Geschichte zu übersetzen, macht aus dem Experiment eine echte Bereicherung des Repertoires.
Weil es zudem geglückt ist, der Oper eine neue Spielstätte und dem Neuen Theater ein fremdes Genre zu erobern, setzt "Die Arabische Nacht" auch kulturpolitisch ein gutes Zeichen zum rechten Zeitpunkt. Ob es freilich über die Premiere hinaus in Halle ein Publikum gibt, das sich auf die Expedition in ungewohntes Terrain einlässt, wird sich noch zeigen müssen. In jedem Fall ist das Stück der beste Beweis, dass Oper durchaus mit heutiger Lebenswirklichkeit zu tun haben - und dennoch mit magischen Momenten aufgeladen sein kann."







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"Die Arabische Nacht" - Plakat

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