Evgenia Rubinova am 30.9.2010 auf Schloss Kapfenburg

"...tosender Applaus": Evgenia Rubinova gastierte auf Schloss Kapfenburg

Schloss Kapfenburg, malerisch gelegen zwischen Nürnberg und Ausgburg, hat sich in der entsprechenden Region als Veranstaltungsort für eine hochkarätig besetzte Kammermusikreihe etabliert. Dort musizierte am 30. September 2010 Evgenia Rubinova. Auf das Programm ihres Klavierabends hatte sie Werke von Schubert/Liszt, Liszt und Rachmaninow gesetzt.

Karin Burgenmeister schrieb am 2. Oktober 2010 in der „Schwäbischen Post“: „Ohne großen Showeffekt betritt die bildhübsche, zierliche Pianistin die Bühne. Das Publikum mit einem feinen Lächeln begrüßend, setzt sie sich ohne große Geste an den Flügel und eröffnet den Abend mit Werken des Romantikers Franz Schubert. Schnell überzeugt die junge Pianistin nicht nur mit ihrer technischen Versiertheit. Mit sensibler musikalischer Vorstellungskraft interpretiert sie Schuberts „Liebesbotschaft“ und „Ständchen“ und lässt einen harmonischen Zauber im Konzertsaal entstehen. Mit erstaunlicher Leichtigkeit spielt sie die von Schubert vertonte Goethe-Ballade „Erlkönig“. Angesichts des hohen Schwierigkeitsgrades der Oktavgriffe hat der Komponist eigens für sich eine leichtere Fassung geschrieben und die Triolen durch Duolen ersetzt. Rubinova hat sich für die Originalversion entschieden und brillierte in einem furiosen Tempo. Ihre wohltuende Zurückhaltung gepaart mit einer geballten Virtuosität lässt das Blut in Wallung geraten, als sie die „Ungarische Rhapsodie Nr.2“ von Franz Liszt in Angriff nimmt. So manchen Zuschauer hielt es nicht mehr ruhig auf den Stühlen und beim Ertönen des Schlussakkordes springt nicht nur der Arm der Pianistin in die Höhe. Die ganze Person schnellte von ihrem Klavierstuhl empor. Im zweiten Teil des Abends durften sich die Zuhörer der puren russischen Klavierromantik hingeben. „6 Moments Musicaux, op.16“ von Sergej Rachmaninoff standen auf dem Programm und erwiesen sich als beeindruckender Höhepunkt. Die sechs kontrastreichen Werke sind ein Frühwerk Rachmaninoffs und lassen den typischen Klang des Komponisten erahnen. Die persönliche Interpretation der Pianistin, ihre poetische Eleganz und charakteristische Ausformung faszinieren und lassen die Komposition in einem neuen Licht erscheinen. Glänzende perlende Läufe wechseln sich mit temperamentvollen Passagen ab. Leidenschaftlich bewegte Steigerungen sehen sich in melancholische Moll-Tonarten eingebettet. Mit herausragenden Abstufungen im Anschlag, steigert sie ihr Tastenspiel und lässt es in einem explosiven Klangrausch des Maestro-Finales enden. Für den tosenden Applaus revanchierte sich Evgenia Rubinova mit zwei Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit ihrer einfühlsamen und leisen Interpretation des „Gondellieds“ ließ sie einen bezaubernden Konzertabend ausklingen.“


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