
"...delikate Klanggenüsse": Evgenia Rubinova gastierte in Frankfurt
Am 10. Mai 2011 trat Evgenia Rubinova zusammen mit Albrecht Mayer in der Frankfurter "Alten Oper" auf. Auf dem Programm standen u.a. Duo-Werke von D'Indy, Poulenc und Francaix .Unter der Überschrift „Die schönen Ecken der Oboenmusik“ schrieb Volker Schmidt am 12. Mai 2011 in der „Frankfurter Rundschau“: „Charmant, der Albrecht Mayer: Bisher habe er von Frankfurt nur den wunderschönen Bahnhof, die wunderschöne Alte Oper und den, ähem, schönen Weg dazwischen gekannt. Dank der Bürgerstiftung, die ihn zum Konzert mit der Frankfurter Pianistin Evgenia Rubinova in den Mozartsaal und zum Interpretendialog mit Schülern ins Holzhausenschlösschen eingeladen hatte, habe er nun andere wunderschöne Ecken der Stadt kennengelernt. Sowie den Apfelwein, der sich nach einem Liter durchaus trinken lasse – „der zweite und der dritte Liter gehen dann wie von selbst“.
Soweit einstweilen zum Außermusikalischen. Allerdings trägt zum Publikumserfolg des Oboisten sicher viel bei, dass er Sinn für Pointen hat, auch für rhetorisch zugespitze – siehe Ebbelwei: Sowohl sein sehr präsenter Auftritt vor den Jugendlichen am Morgen als auch das Konzert am Abend deuten darauf hin, dass von literweisem Genuss alkoholischer Getränke am Vorabend keine Rede sein kann.
Mayers jüngste CD heißt „Bonjour Paris“, einige der enthaltenen Werke aus dem französischen Impressionismus wie Gabriel Faurés „Pavane“ oder Vincent d’Indys „Fantaisie“ über französische Volkslieder hatte er schon im Januar mit Orchester im hr-Sendesaal gespielt. Neu war diesmal Claude Debussys Miniatur „La Fille aux Cheveux de Lin“.
Wer im Sendesaal dabei war, hörte auch jetzt in den Klavierfassungen ungemein viele Farben. Evgenia Rubinova hat in der Frankfurter Meisterklasse von Lev Natochenny studiert und sich mit zupackendem, orchestralen Spiel einen Namen gemacht, beherrscht aber auch die in den Klaviersoli des Abends wie Debussys „Estampes“ und Maurice Ravels „Alborada Del Gracioso“ häufig gefragten schwebenden Klängen.
Zurück zu Mayers Pointen: Seine Vorliebe für Jean Francaix und dessen „L’Horloge de Flore“ von 1959 hat sicher viel mit dem Programm dieser „Blütenuhr“ zu tun, die zu verschiedenen Tageszeiten blühende Gewächse charakterisiert, darunter einen Kaktus.
Die schönste Pointe im Programm war Francis Poulencs Sonate für Oboe und Klavier. Zwischen den meist eher lieblichen Melodien des Programms setzte das Stück von 1962 mit bitteren und tragischen Tönen – es ist der Erinnerung an den verstorbenen Sergej Prokofjew gewidmet – einen wohltuend spröden Kontrapunkt. Mit der Zugabe, Reynaldo Hahns auf dem Basslauf aus dem Air von Johann Sebastian Bach beruhenden Ode „A Chloris“, war Mayer wieder bei dem, wofür sich sein zauberhafter, scheinbar leichter Oboenton am besten eignet: melodische Glückseligkeit.“
Und unter der Überschrift „Auch Töne können Geschichten erzählen“ war ebenfalls am 12. Mai 2011 in der „Frankfurter Neuen Presse“ zu lesen: „Einmal mehr zeigte sich der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker als Meister nuancierter Farbenvielfalt und berückend schön "ausgesungener" Melodiebögen. Geradezu ideal gelang Albrecht Mayer der Solopart von Vincent d’Indys Fantasie opus 31 über französische Volkslieder.
Dabei bewies er nicht nur seine überragende Fähigkeit, Töne kostbar zu färben, sondern auch damit regelrecht Geschichten zu erzählen. Erzählungen, so dicht und fein gewoben, dass sie einen nicht mehr losließen. Mayers flexibel freies, gleichwohl schlüssig strukturiertes Musizieren inspirierte nicht zuletzt seine Klavierpartnerin Evgenia Rubinova, die erfreulich frei von sachlicher Kühle aufspielte.
In Claude Debussys stimmungsgesättigten "Estampes" gelang ihr ein ansprechendes Maß an klanglicher Differenzierung, besonders bei der mittig platzierten "Soirée dans Grenade". Den traurig-melancholischen Grundton der Pavane opus 50 Gabiel Faurés traf das Interpretenduo mit viel Feinsinn, sehr geschmackvoll, nie jedoch geschmäcklerisch. Geradezu delikate Klanggenüsse bescherten die experimentelle dreisätzige Oboensonate von Francis Poulenc mit ihrem Trauergesang auf Sergej Prokofjew sowie die retrospektive "Blütenuhr" von Jean Françaix.
Dass Mayer außerdem über viel Sprachwitz verfügt, zeigte er bei einigen spontan eingefügten Erläuterungen, die sich unter anderem mit dem hochaktuellen Thema Plagiate beschäftigten.“
Mehr Informationen zum Künstler
-
Arabella Steinbacher gastiert in Siegburg
Am 19.5. spielt sie im Rahmen ihres Recitals mit Robert Kulek Werke von Chausson, Franck und Strauss.Datum: 06.05.2012 mehr -
Alexander Krichel gastiert in Seebüll
Am 5.5. spielt er Werke von Beethoven, Schumann und Rachmaninow.Datum: 05.05.2012 mehr -
Alexander Krichel gastiert in Seligenstadt
Am 9.5. spielt er Werke von Beethoven, Schumann und Rachmaninow.Datum: 05.05.2012 mehr -
Markus Groh gastiert in Berlin
Am 9.5. spielt er mit der Kammerakademie Potsdam unter Albrecht Mayer Haydns Klavierkonzert in D-Dur.Datum: 05.05.2012 mehr -
Albrecht Mayer gastiert bei der Kammerakademie Potsdam
Am 9. und 12.5. dirigiert er in Berlin und Potsdam u.a. Mendelssohn Bartholdys "Schottische Sinfonie".Datum: 05.05.2012 mehr -
Gabriel Schwabe gastiert in Bad Homburg
Am 10. und 13.5. musiziert er im Rahmen der Schlosskonzerte u.a. mit Christian Tetzlaff, Nils Mönkemeyer und Matthias Kirschnereit.Datum: 05.05.2012 mehr -
"...die Poesie der Töne": Arabella Steinbacher tourte mit den St. Petersburger Philharmonikern
Unter Yuri Termirkanov spielte sie Tschaikowskys Violinkonzert. Die Stationen: 10.5. Luxemburg; 12.5. Dresden; 14.5. Linz.Datum: 05.05.2012 mehr -
Albrecht Mayer gastiert in Bonn
Am 25.5. spielt er mit dem Beethoven Orchester unter Stefan Blunier Wolf-Ferraris Concertino für Englischhorn.Datum: 05.05.2012 mehr -
Alexander Joel gastiert in Düsseldorf
Am 17.5. dirigiert er Puccinis "Tosca" an der Deutschen Oper am Rhein.Datum: 05.05.2012 mehr -
Arabella Steinbacher gastierte in Wien
Am 3. und 4.5. spielte sie mit den Wiener Symphonikern unter David Afkham Bergs Violinkonzert.Datum: 01.05.2012 mehr
