Evgenia Rubinova

"...knisternde Spannung und funkelnde Brillanz": Evgenia Rubinova gastierte in Reutlingen

Am 27. Juni 2011 spielte Evgenia Rubinova in der Reutlinger "Friedrich-List-Halle" Prokofiews drittes Klavierkonzert mit der Württembergischen Philharmonie unter Leitung von Fabrice Bollon.

Im „Reutlinger General-Anzeiger“ war am 29. Juni 2011 unter dem Kürzel "akr" zu lesen: „Dass bei all dem Naturweben nichts verzärtelte, war aber auch das Verdienst der jungen Pianistin Evgenia Rubinova. In Sergej Prokofjews drittem Klavierkonzert entfacht sie einen atemberaubenden Tastentanz, in dem hocherhitzte Energetik und kühl kalkulierte Präzision wundersam ineinandergreifen. Auch bei Prokofjew gibt es diese mystischen Momente, die aus einer magischen Stille heraufsteigen. Mitten im erregt kreiselnden Schlusssatz etwa findet man sich plötzlich wie ins Auge des Sturms versetzt. Und aus der trügerischen Ruhe dieses Augenblicks heraus leuchten grelle Klaviermotive wie Scheinwerferkegel in eine bedrohlich verstummte Szenerie. Die aus Russland stammende Pianistin spendet diesen Momenten eine knisternde Spannung - die sich dann in virtuosen Kaskaden voll sprühender Energie entlädt. Bewundernswert, welche Kraft und Präzision die Solistin dabei auf die Tasten bringt. Dabei wirkt nichts aufgesetzt oder mit großer Geste zum Showeffekt aufgemotzt. Nein, aus Rubinovas Spiel spricht Ton für Ton die Lust daran, die rhythmische Energie des Werks und die verspielte Eleganz der Form ganz aus sich heraus sprechen zu lassen. Die leisen, poetischen Momente bekommen so kristallene Klarheit. Und wenn der Tanz der Finger rasendes Tempo aufnimmt, bringt gerade ihre kühle Überlegtheit das flammende Temperament des Werks zum Vorschein. In den scharf akzentuierten Akkord-Staffetten, im Wirbeln engmaschiger Figuren waltet eine sportiv vorandrängende Nüchternheit, die Prokofjews funkelnde Brillanz bestechend zum Ausdruck bringt. Ein anrührender Kontrast dazu ist der tiefgründig in sich ruhende Ernst der Sarabande aus Bachs französischer Ouvertüre, die Rubinova als Zugabe spielt. Ein Konzert, das großen Beifall im Saal auslöste und zweifellos Lust machte auf die nächste Saison.“

Und in der „Südwest Presse“ schrieb am gleichen Tag Rafael Rennicke: „Von solcher magischer Naturbeschwörung war in Sergej Prokofjews drittem Klavierkonzert freilich nichts mehr zu spüren. Bollon, den Philharmonikern und nicht zuletzt der russischen Solistin Evgenia Rubinova gelang eine energische, unmittelbar packende Darbietung dieses allzu oft als neoklassizistisch, als "hell" und "klar" bezeichneten Konzerts. Unter dem Zugriff von Rubinova und Bollon aber sind die Abgründe, über denen die lichte, mit Witz gewürzte Architektur dieser Musik errichtet ist, jederzeit hörbar: im wild stampfenden Furor, der in immer wieder packender Gemeinsamkeit entfacht wird; in den beharrlich durchgehaltenen, typisch prokofjewschen motorischen Monotonien, in denen sich verborgene Trauer und Ausweglosigkeit spiegelt; in den fast quälend in die Länge gezogenen Dehnungen der Terzenketten, die aus der Höhe hinab in die Tiefe perlen und die Schluchten unter ihnen eher freilegen als überdecken. Dass Evgenia Rubinova, diese junge, bemerkenswert ernsthafte Künstlerin, selbst die lyrisch-larmoyanten Partien dieses Konzerts gänzlich ungezärtelt begriff, Prokofjews Witz eher grimmig interpretierte und die virtuosen Passagen nicht mit äußerem Glanz, sondern mit Vehemenz anging, trug wesentlich zum großen Eindruck bei. Ohne Kompromisse einzugehen, ohne die Oberfläche dieser Musik zu glätten, wurde da musiziert, mit nicht nachlassender Kraft, hautnah, eindringlich.“


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