Albrecht Mayer mit Semyon Bychkov, Ria Ideta und Daishin Kashimoto am 23.9.11 in Berlin (v.l.)

"...ein Ereignis": Albrecht Mayer gastierte in Berlin

Berios "Sequenza VII" spielte Albrecht Mayer am 22., 23. und 24. September 2011 im Rahmen der Abonnement-Konzerte der Berliner Philharmoniker. Unter Leitung von Semyon Bychkov führte das Orchester außerdem Werke von Schubert/Berio und Walton auf.

Christiane Peitz kommentierte am 23. September 2011 im „Tagesspiegel“:  „Ein Ton ist ein Ton ist ein Ton? Albrecht Mayer, der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, beweist das Gegenteil, mit mindestens hundert Arten, die Note H auf seinem Instrument zu spielen. Nicht nur mit ausgeklügelter Dynamik und Phrasierung, mit Doppelzunge, raffinierten Flageoletts und Gesangsstimmeneinsatz, nein, er variiert auch die Tonhöhe und fächert sie in unzählige Minimalnuancen auf. Mal klingt die Oboe wie eine Flöte, mal wie eine Geige oder wie ein auf dem letzten Loch pfeifendes metallisches Rohr. Das Universum auf einem Stecknadelkopf: Mit Luciano Berios „Sequenza VII“ für Solo-Oboe eröffnet Mayer unendliche Weiten auf kleinstem Raum, entdeckt den Makro- im Mikrokosmos – ein Ereignis an diesem symphonischen Abend in der Philharmonie.“

Am 24. September 2011 schrieb Clemens Haustein in der „Berliner Zeitung“ unter der Überschrift "Auch Oboisten haben ihren Papst": „In der Philharmonie bekam man an diesem Abend immerhin so etwas wie den gegenwärtigen Oboen-Papst zu hören: Albrecht Mayer. Mit Aufführungen neuer Musik hat er bislang weniger auf sich aufmerksam gemacht. Seinen Erfolg auf dem Plattenmarkt verdankt er eher der Wohlfühl-Klassik. Arrangements von Bach-Highlights etwa, oder von französischen Impressionisten, bei denen er zeigen kann, was ihn vor seinen Oboen-Kollegen derzeit auszeichnet: Klangschönheit, phänomenaler Farbenreichtum, fast kindliche Spielfreude.

In Berios Sequenza VII von 1969 bewies Mayer nun, dass er nicht auf die große, kantable Linie angewiesen ist, um beeindrucken zu können. Viel aufgeregtes Geschnatter bietet dieses virtuose Solo-Stück, viel Getrillere und Stakkato-Gestammele. Immer aber kehrt die solistische Aufgeregtheit zurück zum Ruhepunkt. Während des gesamten Stückes wird im Hintergrund der Ton "h" gehalten, in der Aufführung in der Philharmonie erledigten das drei dankenswert selbstlose Streicher im Zuhörer-Raum.“


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