
"...so etwas wie ein Überflieger": Alexander Krichel gastierte in Ludwigshafen
Am 4. Dezember 2011 gab Alexander Krichel eine Klavier-Matinee im "BASF-Gesellschaftshaus" in Ludwigshafen. Auf dem Programm standen Werke von Beethoven, Vasks, Ginastera und Liszt.Am 6. Dezember 2011 schrieb Gerd Kowa in der "Rheinpfalz": "Bereits nach den ersten 80 Takten der 'Appassionata' ahnte man Krichels tiefenpsychologisches Gespür. Beethoven komponierte das Werk in der Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen Österreichs mit Napoleon. Beethoven war zutiefst aufgebracht, seine Musik transportiert Wut, Verzweiflung, Hoffnung, Verzagen. Der Pianist artikulierte das Hauptthema des ersten Satzes neutral, fast unauffällig. Nach einer Atempause ließ er verdammt laute Arpeggien heruntersausen und Arkordmassen poltern. Das zweite, lyrische Thema spielte er dann zwar innig, aber nicht verkitscht. Krichels Leseart ist überzeugend.
Alexander Krichel wurde 1989 in Hamburg geboren. Im Alter von 15 Jahren war er bereits Jungstudent. In den letzten Jahren hat er viele Wettbewerbe gewonnen. Allmählich wagt er sich auf gefährlich prominente Podien, obwohl er noch Student in Hannover ist. Nach Ludwigshafen hatte er einen gewichtigen Musik-Musterkoffer mitgebracht, um dem Publikum vorzuführen, wie flexibel sein Anschlag ist, wie fein sein Gefühl für Rhythmen und Stile.
Raffinierte Klangfarben und meditative Tiefen hörte man bei einem Charakterstück des lettischen Neutöners Peteris Vasks. Das Stück heißt 'Sommerabendmusik'. Bei Vasks hat das wenig mit Jahreszeiten und Landschaften zu tun, eher mit Akkorden, die ohne Grundtöne wandern und sich in einzelne Töne auflösen. Diese einsamen Töne verirren sich in hohe Lagen und finden sich allmählich wieder zu neuen Akkorden zusammen. Krichel spielte das Stück im Stil der impressionistischen Musik des 20. Jahrhunderts, Schönberg und Debussy ließen grüßen.
Krichel kann schnell umschalten. Er ist so etwas wie ein Überflieger. Von Lettland flog er nach Argentinien, wo eine wilde Sonate von Ginastera auf ihn wartete. Diesem Komponisten gelang es einst, Schönbergs Zwölf-Ton-System mit argentinischen Tänzen zu verschmelzen. Diese tolle Sonate war ein Fest für den Pianisten, hier konnte er auf den Tasten tanzen und Liebesmelodien zelebrieren.
Wieder zurück in Deutschland spielte Krichel drei edle Salonstücke und eine Sonate nach Dante von Franz Liszt. Den Leitmotiven der Sonate gab Krichel unterschiedliche Lautstärken und schwankende Tempi. Das hatte den Vorzug, dass man die Struktur dieses herrlich-pompösen Klavierorchesterstücks begreifen konnte. Als Zugabe gab es noch ein Nocturne von Chopin."
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