Alexander Krichel am 29.11.2011 in Hannover

"Sehnsüchtige Seufzer": Alexander Krichel sprang für Ingolf Wunder in Hannover ein!

Äußerst kurzfristig ersetzte Alexander Krichel am 29. November 2011 Ingolf Wunder, der krankheitsbedingt absagen musste. Im "Kleinen Sendesaal" des NDR spielte er Beethovens "Appassionata", Ginasteras 1. Sonate sowie "Venezia e Napoli" und die "Dante-Sonate" von Franz Liszt.

In der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" schrieb Ludolf Baucke am 1. Dezember 2011 unter der Überschrift "Sehnsüchtige Seufzer": "So rasch kann es gehen. Am Mittag musste der erkrankte Pianist Ingolf Wunder sein Pro-Musica-Gastspiel im kleinen Sendessal des NDR absagen. Und am Abend sprang ein Kollege in die Bresche: Der 22-jährige Alexander Krichel stieg auf's Podium - verständlicherweise nicht mit dem ursprünglichen, doch mit einem ebenso anspruchvollen Programm.

Krichel begann mit Beethovens "Appassionata" und gestaltete diese Sonate in genauer Kenntnis ihrer Dramaturgie. Dynamische Abstufungen wurden penibel beachtet, und zwischen den attackierenden Ecksätzen öffnete sich im Mittelsatz ein Fenster zur Gesanglichkeit. Dieser Ausdruck beschränkte sich zunächst nur auf Beethoven. Denn in Alberto Ginasteras Sonate von 1953 wurde Krichel vor allem als Schlagzeuger gefordert, der die an Bartóks Allegro barbaro erinnernde folkloristische Wucht des Argentiniers mit robustem Martellato-Spiel meisterte.

Nach der Pause hatte Alexander Krichel die stilistische Richtung seiner Klavierreise gewechselt. Er verwandelte sich in Liszts "Venezia e Napoli" in einen vornehmen Belcanto-Gondoliere und konnte sich dabei auf perfekt nuanciertes Legatospiel verlassen. Die seelischen Abgründe allerdings ließen auch bei Liszt nicht lange auf sich warten. Zugespitzte und über die gesamte Tastatur verteilte Oktavschläge zeichneten in der Dante-Sonate das Inferno, ebenso treffsicher malte Krichel sehnsüchtige Seufzer und Ausblicke in lichtere Spähren. Viel Beifall gab's - und als besänftigende Zugabe für den Heimweg Chopins feingliedriges und bis hin zu seinen ornamentalen Girlanden ausdrucksvoll ausgekostetes cis-Moll-Nocturne."

  


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