
"Umjubletes Konzert": Igor Kamenz musizierte mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg
Am 7. Februar 2012 trat Igor Kamenz wieder in Freiburg auf. Im "Konzerthaus" brachte er mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt unter Leitung von Fabrice Ballon Prokofiews zweites Klavierkonzert zur Aufführung. Das Programm wurde am 8. Februar im "Franziskaner Konzerthaus" in Villingen-Schwenningen wiederholt. Alexander Dick schrieb am 9. Februar 2012 in der „Badischen Zeitung“: „Gut möglich, dass der – undotierte – Preis für "Das beste Konzertprogramm" der Saison die Musikerinnen und Musiker zusätzlich beflügelte. Jedenfalls erfuhr die prämierte "stilistische und künstlerische Vielfalt" auch eine beispielhafte Qualität in der Interpretation. Auch dank des Solisten – Igor Kamenz. Man kann den ersten Satz von Sergei Prokofjews Zweitem Klavierkonzert g-Moll vielleicht in sich ruhender, breiter, rhapsodischer spielen. Aber auf keinen Fall emotionaler, energetischer und elektrisierender als der in Freiburg lebende langjährige Schüler des im vergangenen Jahr verstorbenen Vitaly Margulis. Kamenz’ Technik ist durch und durch ausgereift, sein Anschlag kristallin, allein seine virtuose Behandlung der immer mehr ins Dramatische sich steigernden Kadenz des ersten Satzes mit ihrem resignativen Ende (nach dem Orchestereinsatz) spricht für sich. Dass der Interpret als Dirigent, der er auch ist, stets den Dialog im Vordergrund sieht, wirkt sich positiv aufs Zusammenspiel aus, nicht nur beim Scherzo sondern auch im exotisch-grotesken Intermezzo.“
Und Peter Schinnerling kommentierte am 11. Februar 2012 im „Südkurier“ unter der Überschrift „Umjubeltes Konzert mit Pianist Kamenz“: „Dann kam man zu dem heiß erwarteten Hauptwerk des Abends, gleichzeitig der jüngsten Komposition. Von den fünf Klavierkonzerten, die Sergej Prokofjew zwischen 1911 (bis 1912) und 1932 komponierte, gilt das 1913 geschaffene „2. Konzert für Klavier und Orchester g-Moll“ (op. 16) als das schwierigste für den Pianisten und musikalisch als das kompromissloseste. Sein Orchesterpart zeigte sich in der revidierten Fassung von 1923, die Igor Kamenz und die „Freiburger“ realisierten, sehr verfeinert gegenüber der Uraufführungsversion.
Der russische Meisterpianist Igor Kamenz mit seinen 18 ersten Preisen bei internationalen Klavierwettbewerben war der richtige Mann für dieses „stahlharte“ viersätzige Werk – eine wahre Naturgewalt trotz der Feinfühligkeit, die er bei aller „brutalen Äußerung“ walten ließ. Orchester und Solist trafen zwar am Anfang einen erzählenden lyrischen Ton, zum Gipfelpunkt wurde aber nach wenigen Minuten die riesenhafte Kadenz, die pianistisch eine Bandbreite von Urwüchsigkeit bis zur Raserei demonstrierte.
Dem perfekten Kamenz gelang es sogar, „hohlen Lärm“ mit Noblesse zum umgehen. Im folgenden „Scherzo“ fesselte weniger das „Perpetuum mobile“ des Solisten als eine sehr farbige „Danse macabre“ im Orchester, von Dirigent Bollon geschickt organisiert. Das „Intermezzo“ (3. Satz) war voller barbarischen Kolorits mit einer Atmosphäre des Schreckens und Vorahnung auf Krieg und Revolution. Eine Mollweise (russischer Marsch mit Variationen) wirkte etwas tröstend, doch es siegten die dissonanten synkopischen Sprünge bis zum harschen Finale – trotz weiterer volkstümlicher Variationen. Kamenz spielte nicht auswendig. Die unglaubliche Kondition des Pianisten war wohl für die donnernden Ovationen des Publikums verantwortlich. Als „beruhigende“ Zugaben wählte Igor Kamenz eine Schumann-Liedtranskription und von Bach Präludium und Fuge. Das Publikum raste und hatte die Konzertpause wirklich nötig.“
SWR 2 sendet am 10. April 2012, 13:05 Uhr, einen Mitschnitt des Konzerts.
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