Cecile Licad

Cecile Licad "verblüfft" in der Münchner Residenz

Kurz nach ihrem äußerst erfolgreichen Gastspiel im Mainzer Staatstheater (wir berichteten) trat Cecile Licad am 24. Januar in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz auf. Auf dem Programm ihres Klavierabends standen Schumanns  "Grande Sonate" in f-Moll, Janáceks "Im Nebel" und verschiedene Stücke von Gottschalk.

In der "Süddeutschen Zeitung" schrieb Carolin Pirich am 26. Januar unter der Überschrift "Freiheit schafft Leben - Cecile Licad verblüfft in der Allerheiligen-Hofkirche" darüber: "Sie eilt auf die Bühne, verbeugt sich zackig, dann packt Cecile Licad in die Tasten: Robert Schumanns "Grande Sonate" stürmt, braust dahin und löst sich unter den Fingern der gebürtigen Philippinin plötzlich auf in feinste, zarteste Schwebeteilchen. Schumanns Sonate trägt ihren Beinamen "Concert sans Orchestre" zu Recht, man kann sogar froh sein, dass am Mittwochabend in der Allerheiligen-Hofkirche kein anderes Instrument, kein Dirigent vom berauschenden Frühwerk ablenkte. Es ist kontrastreich, fordert Ausdruckskraft und Virtuosität, um die Ecken und Kanten herauszuarbeiten. Voller Kontraste ist auch das Spiel der 1961 geborenen Pianistin: energisch und sanft, sensibel und impulsiv. Sie hat Mut zu Pausen, die den Atem stocken lassen. Rubati dehnt sie, dass man wehmütig wird. Sie hat auch viel Mut zum Pedal, manchmal verschwimmen die Phrasen. Vielleicht liegt es am Hall, vielleicht aber auch an den faszinierend hohen Pfennigabsätzen ihrer Pumps. Mit Leos Janáceks programmmusikalischen Stücken "Im Nebel" lässt Licad im Sakralraum Welten entstehen. Die Verzeiflung und Zerrissenheit des Tschechen, der während der Komposition an einer Schaffenskrise litt, werden fühlbar in Melodien, die abrupt abreißen oder immer wieder in denselben Tönen kreisen. Auch hier spielt Licad frei, lässt Arpeggien fließen, zögert nicht, die rhythmischen Variationen hart anzuschlagen. Die Musik lebt unter ihren Fingern. Dann springt Licad auf, wirkt seltsam kühl. Das Publikum starrt, staunt, hat noch nicht begriffen, dass es vorbei ist. Nach der Pause gibt es die selten zu hörenden Stücke von Schumanns amerikanischen Zeitgenossen Louis Moreau Gottschalk: tänzerisch, leicht, hinreißend. Auch als Zugabe Gefälliges: Chopin, Kreisler/Rachmaninoff, Ravel. Jubelnder Beifall."

In der "tz" schrieb Marco Schmidt am 26. Januar unter der Überschrift "Die Tasten-Löwin": "Es soll ja Pianistinnen geben, die erst medienwirksam mit dem Wolf tanzen müssen, um sich halbwegs interessant zu machen. Nicht so Cecile Licad: Die gebürtige Philippinerin verfügt selbst über das Temperament eines Raubtieres. Bei ihrem Konzert in der Allerheiligen-Hofkirche fesselte sie mit impulsivem Spiel, das stets spannend und unberechenbar blieb: Da schlich sie sich etwa auf Pianissimo-Samtpfoten an - und überraschte plötzlich mit kraftvoller Pranke und aggressiven Krallen. Angst scheint sie nicht zu kennen: Sie riskiert Tempi, bei denen andere schon beim Zuhören Schweißausbrüche bekommen. Und sie wagt sich an Stücke, die außer ihr fast niemand live spielt. Mit Verve stürzt sie sich in Schumanns f-Moll-Sonate und entfacht vom Pathos des Kopfsatzes über die Verzweiflung im Trauermarsch bin hin zur Leidenschaft des furiosen Finales einen Sturm der Gefühle. Janáceks "Im Nebel" gestaltet sie rhapsodisch, trifft dabei den nötigen Ton sehr genau und entpuppt sich so als aufregende Geschichtenerzählerin. Bei den hinreißend spritzigen, aber auch höllisch heiklen Stücken des kreolischen Klangzauberers Louis Moreau Gottschalk zündet die Virtuosin schließlich mit klarem Kopf und flinken Fingern ein Feuerwerk pianistischer Raffinesse: Läufe perlen, Verzierungen funkeln, und elektrisierende Rhythmen bringen den Fazioli-Flügel zum Swingen. Gut gebrüllt, Löwin!"           
               


  


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